Programm

 

Donnerstag, 20. September

Stadttheater
Begrüßungsempfang

20.00 Uhr

EXPLOSIVE NEUIGKEITEN – EINE TRAGIKOMÖDIE

Von: Getrude Webster Kamkwatira
Regie: Martin Süss
Ausstattung: Veronika Mund
Dramaturgie: Michael Gmaj
Mit: Lia Hoensbroech, Carolin Maiwald, Teresa Zschernig, Otto Edelmann, Philip Heimke


Richard steht mitten im Leben. Plötzlich wird er schwarz. Bei einer medizinischen Untersuchung stellt seine Ärztin fest, dass er nichts dagegen tun kann. Als jedoch seine Frau die Veränderung bei ihm feststellt, wirft sie ihn aus dem Haus. Alles wird in Frage gestellt: Als Schwarzer wird man diskriminiert, kriegt keinen Job, keine Wohnung – lebt zwangsläufig am Rande der Gesellschaft. Richard macht sich auf, als weißer Schwarzer oder schwarzer Weißer seine Welt zu verändern.

In ihrer Tragikomödie »Explosive Neuigkeiten« zeichnet Gertrude Webster Kamkwatira ein überspitztes Bild der malawischen Gesellschaft und deren Umgang mit Aids. Das Theater Konstanz macht daraus ein ironisches Aufklärungsstück über den latenten Rassismus, der uns allen innewohnt – was wenn Sie selbst morgen schwarz würden?

Im Anschluss daran:
Sektempfang

Teilnahme für Kongressteilnehmer kostenfrei –
Eine Begleitperson möglich: Kostenbeitrag € 10
Voranmeldung erforderlich – keine Abendkasse!

 

Freitag, 21. September

Inselhalle, Saal Europa
Moderation: Bernhard Janta

09.15 Uhr

Begrüßungen

09.30 – 10.30 Uhr

"Deinen – so aufrichtig erzählten – Traum zu deuten ist nicht leicht." Frühformen von Traumdeutung und psychoanalytischer Methode in den Freud-Bernaysschen Brautbriefen
— Diskussion

Ilse Grubrich-Simits

Kürzlich ist Band 1 der Brautbriefe erschienen, die Sigmund Freud und Martha Bernays von 1882 bis 1886 miteinander gewechselt haben. Dieses bisher weitgehend unbekannte Dokument aus der Vorgeschichte der Psychoanalyse enthält im leidenschaftlichen Dialog der Verlobten Übungen im Traumdeuten und in der Selbsterforschung.

10.30 – 11.00 Uhr

Kaffeepause

11.00 – 12.00 Uhr

"Ein ungedeuteter Traum ist wie ein ungelesener Brief" – Fragen an die Traumdeutung S. Freuds
— Diskussion

Yigal Blumenberg

Der Vortrag beschäftigt sich, ausgehend von einer klinischen Vignette, mit der Frage, inwieweit S. Freuds Die Traumdeutung einen für die psychoanalytische Praxis und deren Reflexion nach wie vor befruchtenden und zentralen Text darstellt. Insbesondere kreisen die Überlegungen um die Frage nach der Natur des Deutens eines »heiligen Textes«, das immer schon von einer Beziehung der Beteiligten seinen Ausgang nimmt. In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nachgegangen, inwieweit das Konzept des Narzissmus nach Béla Grunberger erhellende Perspektiven auf das Traumgeschehen und dessen Manifestation in der analytischen Beziehung zu eröffnen vermag

12.00 – 13.00 Uhr

Traum, Fantasie und kindliches Spiel. Denkräume zwischen Wunscherfüllung, Affektverarbeitung und Realitätsbewältigung
— Diskussion

Michael Günter

Träume und kindliches Spiel unterliegen anderen Gesetzmäßigkeiten als das an der Rationalität orientierte Wachbewusstsein. In meinem Vortrag erörtere ich, wie sie als Formen problemlösenden Denkens nicht nur Konflikte darstellen, sondern als Versuche zu deren Bewältigung zu verstehen sind. Diese Denkformen entwickeln sich aus der Identifikation des Kindes mit Funktionen des mentalen Apparates der Eltern, insbesondere aus der mütterlichen Rèverie.

13.00 – 14.15 Uhr

Mittagspause

Im Anschluss:
Interne Sitzungen

 

 

Samstag, 22. September

Inselhalle, Saal Europa
Moderation: Beate Unruh, Karsten Münch

09.30 – 10.30 Uhr

Les rêves qui tournent une page: rêves d'intégration à contenu paradoxal régressif
(In französischer Sprache, Übersetzung liegt vor)
— Diskussion

Jean-Michael Quinodoz

Charakteristisch für diese Träume ist ihr archaischer und angsterregender manifester Trauminhalt, der den Träumer entsetzt, wohingegen diese Träume aus der Sicht des Analytikers eine Etappe im Prozess der psychischen Integration und weiteren Bearbeitung markieren, ungeachtet ihres regressiven Erscheinungsbildes. Der regressive Inhalt dieser Träume steht im übrigen nicht im Widerspruch zur Veränderung. Im Gegenteil, er ist eng mit ihr verbunden, denn diese Träume enthüllen oft weitaus klarer als andere die Struktur der unbewußten intrapsychischen Konflikte, von denen die Veränderung in den seelischen Prozessen ihren Ausgang nimmt, und die in der Übertragung durchgearbeitet worden sind. Indem sie nachträglich den Schlüssel zu den unbewußten Phantasien liefern, mit denen die eingetretene Veränderung verknüpft ist, sind diese Träume besonders wertvoll, denn ihre Struktur weist uns den Weg, wie wir dem Patienten helfen können, den Prozeß der Bewußtmachung zu vertiefen und mit der psychischen Bearbeitung fortzufahren.

10.30 – 11.00 Uhr

Kaffeepause

11.00 – 12.00 Uhr

Was uns der Traum über die Psychose und den analytischen Prozess verrät
— Diskussion

Christian Maier

Grundlage des Vortrags sind Träume aus analytischen Behandlungen von Patienten, die an einer Psychose erkrankt waren. Die im Verlauf des analytischen Prozesses sich verändernden Funktionen dieser Träume geben Aufschluss sowohl über die Psychose an sich wie über die interaktionellen Vorgänge in der therapeutischen Beziehung. Für den Kliniker ist die offensichtliche und eindrücklichste Entwicklung eine Verwandlung von Halluzinationen und Wahninhalten in Träume, ein Vorgang wechselnder Stabilität, dessen Hintergründe sowohl durch den Zeitpunkt des Auftretens wie durch den Inhalt von Träumen erhellt werden können. Diese Gegebenheiten, die mit Fortschreiten der Analyse immer weiter differenzierend sich darstellen, erlauben einerseits Rückschlüsse auf die Genese der Psychose wie andererseits auf die Übertragungsbeziehung und den analytischen Prozess generell.

12.00 – 13.00 Uhr

Why do we dream? (In englischer Sprache, Übersetzung liegt vor)
— Diskussion

Mark Solms

Sigmund Freud proposed that the biological function of dreams was to protect sleep, and that it did so by fulfilling wishes that arise during sleep in an hallucinatory fashion (in disguised form). The discovery of the brain mechanisms of REM sleep between the 1950s and 1970s cast considerable doubt on this hypothesis: REM sleep occurs automatically in 90 minute cycles and it is generated by a 'mindless' part of the brainstem. This lecture will present findings which show that dreaming is not in fact generated by the part of the brain that generates REM sleep; it does not occur automatically and is generated by a part of the brain that is deeply implicated in 'fulfilling wishes'. Recent findings will also be presented from an ongoing study which is directly testing the hypothesis that dreams protect sleep.

13.00 – 14.30 Uhr

Mittagspause

Hinweis auf Parallelveranstaltungen (* PV)

14:30

15:00

15:30

16:00

16:30

17:00

17:30

18:00

Bayern
Inselhalle

Lindau
Inselhalle

Allgäu
Inselhalle

Schweiz
Inselhalle

Liechtenstein
Inselhalle

Vorarlberg
Inselhalle

Konstanz I
Bayerischer Hof

Konstanz II
Bayerischer Hof

Konstanz III
Bayerischer Hof

Lindau
Bayerischer Hof

Bregrenz
Bayerischer Hof

Vaduz
Bayerischer Hof

Meersburg
Bayerischer Hof

Kino
Kino


14:30

15:00

15:30

16:00

16:30

17:00

17:30

18:00

* PV 1.1 — Inselhalle, Raum Liechtenstein 
(max. 15 Teilnehmer)

14.30 – 16.00 Uhr

AG: Tierischer Magnetismus – Somnambulismus – Traum. Zur Entdeckung des Unbewussten in der Romantik

Wolfgang Kupsch

Der Vortrag geht zurück in die Vorgeschichte der Psychoanalyse und sucht Gedanken und Begriffe in der Zeit ihrer Entstehung auf. In Beziehung zu unserem heutigen denken soll deutlich werden, dass diese Beschäftigung für das Verständnis und die Weiterentwicklung unserer Wissenschaft durchaus fruchtbar sein kann. Bekanntlich lässt die Medizingeschichtsschreibung die wissenschaftliche Psychotherapie mit Franz Anton Mesmers "Tierischem Magnetismus" beginnen. Der Weg führt damit in die geistesgeschichtliche Epoche der Romantik. Das fortschreitende Projekt der Aufklärung hatte zunehmend Unbehagen bereitet. Gegen die Entzauberung und Verdringlichung der Natur, die Entseelung des Lebendigen stand die Beschäftigung mit Phänomenen, die mit "Tierischem Magnetismus", "Nachtseite" und "Somnambulismus" begrifflich zu fassen versucht wurden. Damit traten Probleme auf, die in produktiver Weise die Entwicklung der Psychotherapie bis heute begleiten. Zu nennen sind:

  • die Frage nach dem wissenschaftstheoretischen Status (beginnend mit F.A. Mesmers "System der Wechselwirkungen, das parallel zu S. Freuds "Versuch einer Psychologie" gelesen werden kann),
  • die Subjekt-Objekt-Beziehung (mit Schellings Identitätsphilosophie, einer Denkfigur, die in Beziehung gesetzt werden kann zu Winnicotts "Übergangsobjekt", Balints "Zwei-Personen-Psychologie" oder der "projektiven Identifizierung" M. Kleins),
  • die Beschäftigung mit dem Prozesscharakter kreativen, unbewussten Geschehens (F. Schlegels "progressive Universalpoesie" und S.Freuds "Traumdeutung" oder dessen "Krankengeschichten als Novellen").

Die Beschäftigung mit dem "Traum berührt alle diese Themen und kann damit als Leitlinie zur Entfaltung dieser Fragen dienen.

* PV 1.2 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Konstanz I 
Moderation: Margitta Wonneberger

14.30 – 16.00 Uhr

Das ist mir viel zu heiß!
Widerstandsanalyse anhand von Träumen
– Diskussion

Thomas Abel

Ein Patient strebt in einer Psychotherapie nach Veränderungen seines leidvollen Erlebens und Verhaltens, sowie von Krankheitssymptomen. Gleichzeitig entwickeln sich im Behandlungsverlauf von Anfang an Kräfte, die einer Entwicklung und Symptomheilung entgegenwirken, weil jede Veränderung ein mühsam errichtetes, inneres Gleichgewicht infragestellt. Diese Kräfte nennen wir in der analytischen Psychotherapie den "Widerstand". Es ist von zentraler Bedeutung, den Patienten ihre Widerstände bewusst zu machen und sie gemeinsam zu bearbeiten, damit die Behandlung nicht stagniert. In Träumen bilden sich Widerstände in einer ganz einmaligen und eindrücklichen Weise ab. Schon Freud hat 1900 in seinem Buch "Die Traumdeutung" anhand von Brüchen und unklaren Stellen in Träumen beschrieben, wie aus dem manifesten Trauminhalt Verbotenes oder Schamvolles herausgeschnitten wird. Unkenntlichkeiten oder vage Detaills in Träumen machen uns auf etwas aufmerksam, das aus dem Erleben des manifesten Trauminhaltes verdrängt wurde. Es handelt sich oft um dieselben Inhalte, die in der psychoanalytischen Behandlung heraus gehalten werden müssen.

* PV 1.3 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Konstanz II  
Moderation: Ingrid Rothe-Kirchberger

14.30 – 16.00 Uhr

Der geträumte Traum. Das Modell der Traumgenerierung von Ulrich Moser und Ilka von Zeppelin und seine Bedeutung für die klinische Praxis
– Diskussion

Thomas Anstadt

Ulrich Moser und Ilka von Zeppelin haben ein Modell der Traumgenerierung vorgelegt, dessen Ziel es ist, die Genese, den Verlauf und die Regulierung eines geträumten Traumes nachzubilden. Ein solcher Ansatz zielt auf die Erfassung und Analyse des manifesten Traums als eines präsentisch und überwiegend bildhaft erlebten psychischen Prozesses, der in einer Abfolge von Situationen verläuft. In Anlehnung an die Theorie von French wird dieser "Mikrowelt Traum" die Funktion zugeschrieben, in einer simulierten Abbildung der Realität nach Lösungen für reaktivierte Probleme zu suchen, die in Form eines zu bearbeitenden "Traumkomplexes" in das Traumgeschehen eingebracht werden. Die Veränderungen und Übergänge der einzelnen Traumsituationen lassen dabei die Aktivität einer monitorierenden und regulierenden psychischen Organisation sichtbar werden, die die Entwicklung der im Traumkomplex gebundenen Affektivität steuert. Während Freud die Beschäftigung mit dem manifesten Traum als "unwissenschaftliche Spekulation" bezeichnet hatte, wies u.a. Erikson darauf hin, dass der Darstellungsstil des manifesten Traumes wichtige Rückschlüsse auf die charakteristischen Abwehrmaßnahmen, Kompromissbildungen und Handlungen des Träumers erlaubt. Der Vortrag stellt das Modell von Moser und von Zeppelin vor und vergleicht deren Methode der Traumkodierung anhand von Freuds Traum von "Irmas Injektion" mit den Ansätzen von Freud selber und von Erikson.

* PV 1.4 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Konstanz III 
Moderation: Dietrich Munz

14.30 – 16.00 Uhr

Der Traum als Prototyp einer "psychologischen Gegenstandsbildung"
— Diskussion

Peter Giesers, Werner Pohlmann

"Eine Psychologie, die den Traum nicht erklären kann“, schreibt Freud in seinem Aufsatz zur Laienanalyse (1926), „hat keinen Anspruch, eine Wissenschaft zu heissen“. Freud rückt damit den Traum ins Zentrum seiner psychologischen Wissenschaftskonzeption. Der Traum ist nicht nur der „Königsweg“ zum Unbewußten, also ein Forschungsinstrument zur Analyse des seelischen Geschehens, sondern auch ein Prototyp einer psychologischen Gegenstandsbildung. Die Traumdeutung konstituiert  so die Psychoanalyse als eine „psychologische Psychologie“.

In unserem Vortrag wollen wir anhand des von Wilhelm Salber entwickelten Konzepts wissenschaftlicher Gegenstandsbildungen den „psychischen Gegenstand“ der Psychoanalyse am Beispiel des Traumes erläutern.

Wissenschaftliche Gegenstandsbildung heißt, dass die Gegenstände einer Wissenschaft nicht mit den natürlichen Gegenständen identisch sind, sondern in einem methodisch-theoretischen Umbildungsprozess erst gebildet werden, um anhand eines solchen Gegenstandes oder Paradigmas die natürlichen Phänomene überschaubar machen zu können.

Der Traum ist dabei im Goetheschen Sinne ein „glücklicher Gegenstand“ insofern, als er sowohl als natürliches Phänomen wie auch als wissenschaftlicher Gegenstand, d.h. symbolisch verwendet werden kann.

Wir werden daher am wissenschaftlichen Gegenstand „Traum“ zwei Entwicklungsrichtungen psychologischer Gegenstandsbildungen der Psychoanalyse aufzeigen: das Seelische kann wissenschaftlich konstituiert werden als ein Kräftespiel , das Seelische kann aber auch aufgefasst werden als eine Entwicklung ganzheitlicher Zustände oder Verfassungen in sich.
In der Geschichte der Psychoanalyse hat sich vor allem der Dualismus eines Kräftespiels durchgesetzt, während der Gesichtspunkt ganzheitlicher Verfasssungen immer randständig blieb.

Wir werden am Schluss auf die Chancen und Begrenzungen dieser Gegenstandsbildungen eingehen im Zusammenhang mit einem Ausblick auf die zukünftigen Chancen eines psychischen Gegenstandes im pluralistischen Spektrum der Psychoanalyse.

* PV 1.5 — Hotel Bayerischer Hof, Saal Lindau 
Moderation: Georg Schäfer

14.30 – 16.00 Uhr

Traumserien. Zur Verwendung von Traumserien in der psychoanalytischen Therapie und in der Therapieforschung

Heinrich Deserno / Horst Kächele

Definition von "Traumserie".
(I) Traumserien in der Literatur (Freud 1895-1900; French, vol: II 1954; Geist u. Kächele (II) 1979; Döll-Hentschker 2008; Mathys 2011). Traumserien aus gut beforschten
(III) psychoanalytischen Therapien (Kächele u. Deserno 2009, Deserno 2007).
(IV) Gemeinsame Rekonstruktion des Übertragungsverlaufs aus einer Traumserie mit den Teilnehmern des Seminars.
(V) Resume der gegenwärtigen Arbeit mit Träumen unter Berücksichtigung neuerer Modelle (z.B. Moser und von Zeppelin).

* PV 1.6 — Hotel Bayerischer Hof, Saal Vaduz 
Forum Psychoanalyse im Krankenhaus
Moderation: Bernhard Janta
(max. 20 Teilnehmer)

14.30 – 16.00 Uhr

Das therapeutische Milieu in der Stationären Psychotherapie – ein konzeptspezifischer Wirkfaktor?

Dorothee Kress

* PV 1.7 — Hotel Bayerischer Hof, Saal Meersburg 
(max. 18 Teilnehmer)

14.30 – 16.00 Uhr

AG: Die Darstellung unbewusster Geschwisterkonflikte in Träumen

Dr.phil. Dorothee Adam-Lauterbach

In der Arbeitsgruppe sollen Träume von Patienten vorgestellt werden, die vor dem Hintergrund ihrer Geschwistererfahrungen und unbewusster Geschwisterkonflikte interpretiert werden. Es zeigt sich, dass die Geschwisterdynamik in Träumen häufig in besonderer Weise symbolisiert und konkretisiert wird. Neid und Rivalität, Angst vor Macht und Dominanz, mangelnde Abgrenzung durch frühe symbiotische Bindungen und ödipale libidinöse Besetzungen unter Geschwistern sind häufig als langandauernde persistierende Konflikte unbewusst wirksam. Die Einbeziehung der Geschwisterebene in der Bearbeitung von Träumen als Verknüpfung vergangener und gegenwärtiger Erfahrungen führt zu einer vertieften Reflexion der mit der Geschwisterdynamik einhergehenden unbewussten Fantasien, die nicht zuletzt die erfahrene Geschwisterposition als psychodynamisches Geschehen verstehbar werden lässt.

* PV 2.1 — Studiokino im Parktheater 
(max. 150 Teilnehmer)

14.30 – 16.30 Uhr

Psychoanalyse und Film
"Pan's Labyrinth" von Guillermo del Toro
– Diskussion

Ursula Mayr, Jakoba Wochinger-Behrends

* PV 2.2 — Inselhalle, Raum Schweiz
(max. 40 Teilnehmer)

14.30 – 17.00 Uhr

Offene AG der Vertrauensleute der DGPT

Abstinenz und Abstinenzverletzungen in der psychoanalytischen Ausbildung

Brunhilde Schmieder-Dembek, Giulietta Tibone u.a.

Erneut möchten die Vertrauensleute der DGPT - von einem Thema ausgehend, das sie im Rahmen ihrer Tätigkeit beschäftigt hat und wiederholt aus konkretem Anlass in der Öffentlichkeit von Instituten und Gesellschaften debattiert wird - in Dialog mit den Mitgliedern treten. Nach einem einführenden Vortrag soll Raum für Diskussion, Fragen, Einbringen eigener Erfahrungen gelassen werden. Neben allen übrigen Mitgliedern sind Vertrauensleute der Institute und Gesellschaften, Mitglieder von Schiedskommissionen, in den Kammern in ethischem Bereich tätige Kollegen sowie Kandidaten willkommen

* PV 2.3 — Inselhalle, Saal Bayern 
Forum Forum Aus- und Weiterbildung
Moderation: Christiane Grammel, Ariane Heeper, Ulrike Vetter, Heike Weiß

14.30 – 18.00 Uhr

Ich habe einen Traum …
Zukunft der Psychoanalyse in der GKV

Gesprächspartner:
Christa Harnisch, Gertrud Hartig-Kleebauer, Birgitta Lochner, Ingrid Möslein-Teising, Antje Mudersbach, Susanne Oette, Matthias Ssykor u.a.

Bundeskandidatenvertretung der DGPT Christiane Grammel, Ariane Heeper, Ulrike Vetter, Heike Weiß

Was können wir tun, um dem psychoanalytischen Nachwuchs den Weg in die GKV-Versorgung zu ermöglichen? Unsere Experten stellen geeignete und erprobte Modelle vor, wie ungenutzte Kapazitäten in den Praxen oder auch die Praxisweitergabe an Wunschkandidaten gelingen kann.

* PV 2.4 — Inselhalle, Raum Lindau 
Moderation: Klaus-Jürgen Bruder, Karsten Münch
(max. 80 Teilnehmer)
Zu dieser AG sind ausnahmsweise auch Nicht-Mitglieder zugelassen.

14.30 – 18.00 Uhr

AG: Psychoanalyse und Gesellschaft

Klaus-Jürgen Bruder, Karsten Münch

Beiträge:

Politische Verantwortung der Psychoanalyse – träume ich oder gibt es das?

Georg R. Gfäller

Tagtäglich erfahren wir von Lebensbedingungen, die krank machen. Das Wissen darum fordert geradezu nach Stellungnahme und öffentlicher Rückmeldung. Um aber gehört zu werden, braucht es Integrität, vielfche Äußerungen und die Unterstützung durch die Gemeinschaft der Kollegen.

Zur Aktualität von Horst-Eberhard Richters gesellschaftskritischer Psychoanalyse

Hans-Jürgen Wirth

H.E. Richter hat für verschiedene Themenfelder psychoanalytisch fundierte Konzepte entwickelt, wie gesellschaftliche Konflikte verstanden und beeinflusst werden können. Diese sollen dargestellt und auf ihre Aktualität hin überprüft werden.

* PV 2.5 — Inselhalle, Raum Allgäu 
(max. 25 Teilnehmer)

14.30 – 18.00 Uhr

AG: Praxis der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Erich Limmer, Beate Unruh

Diese Arbeitsgruppe hat sich vor 2 Jahren neu formiert und beschäftigt sich vorallem
mit der Fragestellung, wie sich die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie behandlungstechnisch in den Schwerpunktthemen: Indikation (Zielsetzung) - Fokus - Übertragung - Widerstand - Ende der Behandlung auch in der Unterscheidung zur analytischen Psychotherapie darstellt. Gearbeitet wird an eigenen Fallbeispielen, die vorher bei den Leitern angemeldet werden sollten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

16.00 – 16.30 Uhr

Kaffeepause

* PV 2.6 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Bregenz 

14.30 – 18.00 Uhr

AG Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Wunsch oder Albtraum?

Birgitta Rüth-Behr, Anne Springer, Eeva-Kristiina Akkanen-vom Stein, Stephan Alder, Astrid Gabriel, Kristiane Göpel, Michael Krenz, Charlotte
Rothenburg, Albrecht Stadler

Die AG entwickelte sich aus einer Veranstaltung zur Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie im Rahmen des Berliner DGPT-Kongresses 2004. In den folgenden zwei Jahren konstituierte sich die AG als eine Gruppe, in der alle Fachgesellschaften und die Freien Institute personell vertreten sind und die als Vorstandskommission die DGPT auf ihrem Weg der Integration tiefenpsychologisch fundiert ausgebildeter Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der Übergangsregelungen fachlich unterstützte und begleitete.

Die AG entschied sich, fallzentriert und zur Wahrung der notwendigen Intimität für eine Zeit geschlossen zu arbeiten. Sie entwickelte aus der Arbeit an Kasuistiken theoretische und behandlungstechnische Ideen und Vorschläge zur Ausgestaltung des Verfahrens aus psychoanalytischer Sicht. Erste Arbeitsergebnisse wurden beim DGPT-Kongress in Halle 2011 vorgestellt. Weitere Ergebnisse sollen mit den Mitgliedern und Gästen der DGPT bei den kommenden Jahrestagungen diskutiert werden. Die AG setzt diesen Diskussionsprozess in Lindau mit der hier angekündigten Veranstaltung fort, für die wir uns die Fortsetzung des in Halle begonnenen Dialogs zwischen den integriert und tiefenpsychologisch fundiert ausgebildeten Mitgliedern der DGPT wünschen und den wir fördern möchten.

Anhand eines Falles sollen die Themen „Indikation“, Arbeit mit dem Fokus“ und „Beendigung der Behandlung“ erörtert werden. Der aus Sicht der AG positive Wert der Begrenzung ist immanenter Bestandteil der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und verlangt und fördert die notwendige „Arbeit an der Enttäuschung“ mit der resultierenden Erkenntnis , dass „Mehr nicht immer mehr“ ist. Diese Aspekte stellen hierbei zentrale Themen der Arbeit der AG dar.

16.00 – 16.30 Uhr

Kaffeepause

* PV 3.1 — Inselhalle, Raum Liechtenstein 
(max. 15 Teilnehmer)

16.30 – 18.00 Uhr

AG: Traumerzählung und Traumverständnis in der Jungianischen Praxis

Sylvia Runkel

Die Analytische Psychologie nach C.G. Jung betrachtet den Traum als spontane und kreative Selbstdarstellung der Psyche. In seiner kompensatorischen Funktion ergänzt er die bewusste Einstellung des Träumers um bisher unbewusste, beispielsweise verdrängte Inhalte. Das kausale Traumverständnis mit seiner Frage nach dem Warum? erweiterte C.G. Jung um die Frage nach dem Wohin?. Er benannte die prospektive, finale Funktion des Traumes, welche in der Sprache der aus dem Kollektiven Unbewussten aufkommenden Symbole ein inneres Wissen um den Entwicklungsweg enthüllt. Anhand einer Traumserie soll das spezifisch Jungianische Verständnis der Traumarbeit veranschaulicht werden.

* PV 3.2 — Inselhalle, Raum Vorarlberg  
(max. 15 Teilnehmer)

16.30 – 18.00 Uhr

AG: Going far away - Migration als ein Weg zur psychischen Gesundung?

Hermann Hilpert

Die Gruppe der Einwanderer nach Deutschland ist uneinheitlich. In der Literatur ist allerdings vorwiegend von Opfern und Verfolgten die Rede, die in politische und wirtschaftliche Zwangslagen geraten sind. Eine Gruppe von jüngeren Migranten begibt sich aber ohne diese äußeren Zwänge in unseren Kulturkreis. Die Entscheidung, das Heimatland für längere Zeit oder für immer zu verlassen, wird m.E. eher selten unter dem Aspekt und dem Wunsch gesehen, persönliche Entwicklungsprozesse voranzutreiben und für innerpsychische und psychosoziale Konflikte bessere Lösungen zu finden. Mehr oder weniger unbewusst sind diese Menschen auf der Suche nach einer Veränderung ihres inneren Befinden in einem für sie günstigeren kulturellen Umfeld. Sie suchen eine ihnen förderliche Adoptivkultur, die Schutzfaktoren für ihre psychischen Verletzungen und Ängste bereitstellt. Vielen wird erst rückwirkend klar, was sie innerlich zur Emigration motiviert hat. Die angestammte Kultur erleben sie oft wie einen fremden Körper, der nicht zu ihrer inneren Struktur passt und der sie in ihrer Entwicklung behindert. Oft fehlen ihnen aber gute und verlässliche innere Objekte, um ein modifiziertes Selbstverständnis in einer fremden Kultur aufzubauen. Sie treffen vielmehr auf eine internalisierte familiäre und kulturelle Werte- und Objektwelt, die sie auf der Suche nach einer für sie besseren Heimat ablehnen. Es brechen schmerzhafte innere Konflikte auf, die mit Schuldgefühlen aufgeladen sind. Wenn diese Menschen den Weg in die Psychotherapie finden, möchten sie oft ihre Muttersprache nicht sprechen, die sie mit schlechten Objekten kontaminiert erleben, sondern Deutsch oder eine Zweitsprache, die ihnen als Schutz gegen die familiäre und kulturelle Welt dient, die sie hinter sich lassen möchten. Psychoanalytisch orientierte Psychotherapien sind besonders hilfreich, weil sie die innere psychische Realität und Phantasiewelt von der äußeren Realität zu unterscheiden helfen. Zu fragen ist, welche Entlastung bzw. welche Belastung kulturelle Muster für bestimmte innere Konfliktlagen und Persönlichkeitsstrukturen bedeuten und wie individuelle und kulturelle Faktoren zusammenspielen bei der psychosozialen Entwicklung des Einzelnen. Zu erörtern wäre auch, welche Rolle die Familie bei der Vermittlung und Internationalisierung kultureller Werte spielt. Kann der Einzelne an seiner kulturellen Umwelt erkranken oder gesunden? Wie wäre das zu konzeptualisieren?
Illustration der Fragestellung erfolgt durch ein oder zwei Kasuistiken.

* PV 3.3 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Konstanz I 
Moderation: Margitta Wonneberger

16.30 – 18.00 Uhr

Traumdeutung und Symboltherapie
– Diskussion

Wolfhard König

In jeder tiefenpsychologisch en Therapieform werden Symbole gedeutet. Zentrale Bedeutung haben dabei die Traumsymbole.

Schon in den asklepischen Tempeln im alten Griechenland (6. Jh.v.Chr.) wurde systematisch Traumdeutung als Psychotherapie angewandt. Auch freud behandelte um 1900 manche Patienten ausschließlich mit Traumdeutung. Diese gilt immer noch als "Königsweg zum Unbewußten" (S.Freud). Die Deutung von Träumen ist auch heute noch ein zentrales therapeutisches Moment in jeder tiefenpsychologischen Therapie. Das Führen eines Traumbuches, das wir praxisnah erarbeiten wollen, sowie dessen Verwendung im Rahmen einer Therapie ist äußerst wirksam.

Wie aber schon C.G. Jung zeigte, hat jede Auseinandersetzung, jede intensive innere Beschäftigung mit symbolen heilende Wirkung auf die Psyche. Symbole werden hier gesehen als "Organisatoren", die ordnend und strukturierend auf die Psyche einwirken. Die gilt auch für Symbole im Rahmen von Märchen und Mythen, von Theaterstücken, von Filmen in der Literatur.

* PV 3.4 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Konstanz II 
Moderation: Ingrid Rothe-Kirchberger

16.30 – 18.00 Uhr

Anders zuhören: körperliche Symptombildung als manifester Trauminhalt
— Diskussion

Udo Porsch

Wenn es somatisierenden Pat. gelegentlich gelungen ist, zu uns durch das Nadelöhr der Anmeldemodalitäten einer psychoanalytischen Praxis vorgedrungen zu sein, reagieren viele von uns gehäuft mit negativen Gegenübertragungsbereitschaften, wenn diese bei ihrer somatischen Vorgeschichte verharren und eben nicht über intra- oder interpersonelle Konflikte sprechen. Hingegen reagieren wir weniger ungeduldig, wenn Analysepatienten langatmig über einen oder mehrere Träume in einer Stunde berichten. Wir warten sicherlich nicht darauf, dass er uns endlich den latenten Trauminhalt berichtet, sondern wir versuchen den manifesten Trauminhalt über die Assoziationen des Patienten und im Rahmen der Übertragungs- und Gegenübertragungsanalyse zu verstehen, zu deuten und letztlich durchzuarbeiten. Bereits 1916 hat Freud darauf hingewiesen, dass der "Inhalt einer Phobie (..) für diese ungefähr dieselbe Bedeutung (hat) wie die manifeste Traumfassade für den Traum.".

Der Vortrag gibt einen Einblick in die paradigmatische Ähnlichkeit von Symptombildung und manifestem Trauminhalt und zeigt die Möglichkeiten eines solchen Perspektivenwechsels i.S. eines veränderten Zuhörens auf. In dem Kontext werden Konzepte der "Konversion auf Grund von Gleichzeitigkeit und einer Konversion durch Symbolisierung" (S.F.), das Prinzip der sogenannten gemischten Neurose und das ausgesprochen aktuelle Bahnungsmodell, das Freud bereits im Entwurf einer Psychologie konzipierte, diskutiert.

* PV 3.5 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Konstanz III 
Moderation: Dietrich Munz

16.30 – 18.00 Uhr

Stekel – ein "verwahrloster" Analytiker oder ein intuitiver Phänomenologe des Traumes?
– Diskussion

Hans-Volker Werthmann

Der Vortrag beschäftigt sich mit einem heute fast vergessenen Autor – Wilhelm Stekel -, der in der frühen Geschichte der Psychoanalyse eine bedeutende Rolle spielte. Er befasste sich besonders mit der Traumsymbolik und schrieb 1911 das Buch "Die Sprache des Traumes", welches zu Kontroversen mit Freud und anderen Psychoanalytikern führte. Gleichwohl betrachtete Freud Stekel als eine Art intuitives Genie. Der Vortrag wird den Spuren der frühen Kontroversen nachgehen und auf ungelöste Probleme hinweisen, die bis heute fortdauern.

* PV 3.6 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Lindau  
Moderation: Georg Schäfer

16.30 – 18.00 Uhr

AG zum Vortrag: Traumserien. Zur Verwendung von Traumserien in der psychoanalytischen Therapie und in der Therapieforschung

Heinrich Deserno, Horst Kächele

TRAUMSERIEN. Zur Verwendung von Traumserien in der psychoanalytischen Therapie und in der Therapieforschung Abstract

(VI) Definition von "Traumserie".
(VII) Traumserien in der Literatur (Freud 1895-1900; French, vol: II 1954; Geist u. Kächele 1979; Döll-Hentschker 2008; Mathys 2011).
(VIII) Traumserien aus gut beforschten psychoanalytischen Therapien (Kächele u. Deserno 2009, Deserno 2007).
(IX) Gemeinsame Rekonstruktion des Übertragungsverlaufs aus einer Traumserie mit den Teilnehmern des Seminars.
(X) Resume der gegenwärtigen Arbeit mit Träumen unter Berücksichtigung neuerer Modelle (z.B. Moser und von Zeppelin).

* PV 3.7 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Vaduz 
(max.20 Teilnehmer)

16.30 – 18.00 Uhr

AG: Psychiatrie und Psychoanalyse

Bernhard Janta

(Abstract fehlt noch)

* PV 3.8 — Hotel Bayerischer Hof, Raum Meersburg  
(max. 18 Teilnehmer)

16.30 – 18.00 Uhr

AG: Das Leben im Traum, der Traum im Leben

Christiane Buck, Manfred Drücke, Sebastian Köhler, Rebecca Rost

Die von Sigmund Freud in der Selbstanalyse seiner Träume entwickelte assoziative Methode hat sich als Psychoanalyse vielfältig fortentwickelt und modifiziert.Könnte sich die Bürde eines damals verpflichtenden Auftrags zur Methodentreue heute als einschränkend auswirken für einen methodisch offeneren und vielleicht heilsameren Umgang mit Träumen? "Der Traum ist die via regia zum Unbewussten".Ob dieser klassische Satz deshalb oft als Imperativ gelesen wird? Wirkt das Postulat der Verbindung von Forschungs-und Heilmethode zusätzlich einschränkend? Solche Fragen stehen im Hintergrund des mittlerweile 4jährigenExperimentierens und Reflektierens der Arbeitsgruppe "Traumwerkstatt" am Heidelberger IPP. Hier entwickelten wir ein Modell der Variation psychoanalytischer Traumarbeit, das der manifesten Traumgeschichte und ihren Bildern Beachtung und Bedeutung gibt, anderseits in einem zweistufig fokussierenden Vorgehen assoziativen Raum freigibt. Im Workshop sollen die skizzierten Fragen erläutert und die Arbeitsweise direkt an einem nicht vorbereiteten Traumbeispiel demonstriert und zur Diskussion gestellt werden.

 

Sonntag, 25. September

Inselhalle, Saal Europa
Moderation: Susanne Walz-Pawlita

09.30 – 10.30 Uhr

Via Regia und zurück – Traumerzählungen und ihre Resonanz
— Diskussion

Andreas Hamburger

Die Textsorte "Traumerzählung" hat eine lange Geschichte. Alte Kulturen wollten ihr einen Blick in die Zukunft abgewinnen. Sigmund Freud sah sie als Königsweg zum Unbewussten: Aber nur das des Analysanden. Erst durch die intersubjektive Wende der Psychoanalyse seit den 50er Jahren wurde deutlich, dass auch das Unbewusste des Analytikers im Spiel ist. Heute wird die Traumerzählung als Narrativ mit einer besonderen Spannungsdramaturgie verstanden. Der Vortrag geht auf Traumerzählungen von der Antike bis Christopher Nolans Inception ein und vergleicht sie mit den Wirkungen und Gegenwirkungen, die das Traumerzählen im Rahmen der Psychotherapie, Psychoanalyse und in der Gruppe auslöst. Eine besondere Rolle spielen dabei Antwort- und Gegenübertragungsträume.

10.30 – 11.00 Uhr

Kaffeepause

11.00 – 12.00 Uhr

Traumdeutung: Deutung des Traumes oder der Traum als Deuter?
— Diskussion

Raimond Borens

Das Wort Traumdeutung ist ein zusammengesetztes Wort, wie es besonders die deutsche Sprache erlaubt. Bislang wurde dieses zusammengesetzte Wort gelesen als die Deutung des Traumes d.h. der Traum wurde in die Position des Objektes gesetzt, das gedeutet wird oder werden soll. Nun kann man dieses zusammengesetzte Wort aber auch anders lesen, nämlich mit dem Traum in der Subjektposition, und damit wird der Traum demjenigen der deutet. Eine Umwertung der Werte? Nein, denn Freud hat in den Mechanismen der Traumbildung: Verdichtung, Verschiebung, Rücksicht auf Darstellbarkeit ja rhetorische und damit Elemente deutender Natur beschrieben. Man kann also sagen, dass der Traum an sich schon eine Deutung ist und diese Deutung nochmals deuten wird zum unendlichen Prozess. Man kann gar noch weiter gehen und sagen, dass das Unbewusste eigentlich eine Deutungsmaschinerie ist. Das hat nun weitreichende Konsequenzen: es geht in der analytischen Kur nicht darum, weitere Bedeutungen anzufügen, weil so zu einem gedeuteten Sinn nur ein neuer Sinn hinzugefügt wird. Es kommt eher darauf an, den Traum zu dekonstruieren d.h. die Deutung nach rückwärts zu buchstabieren, sie quasi aufzuheben. Dabei ist der Signifikant "Buchstabe" wichtig, denn das Spiel und der Umgang mit den Buchstaben nimmt im Deutungsprozess einen wichtigen Platz ein.

12.00 – 13.00 Uhr

Embodiment – Traum – Depression.
Klinische Psychoanalyse im Dialog mit den Neurowissenschaften
— Diskussion

Marianne Leuzinger-Bohleber

Anhand einiger klinischer Beispiele aus der LAC Depressionsstudie wird erläutert, in welcher Weise neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften für psychoanalytische Behandlungen fruchtbar gemacht werden können. Im Fokus steht das Konzept des "Embodiment", das besonders für ein psychoanalytisches Verständnis des Enactments schwerer Traumatisierungen in der Übertragung sensibilisieren mag. Wenigstens kurz werden einige wissenschaftstheoretische und methodische Überlegungen skizziert.

13.00 Uhr

Verabschiedung

Im Anschluss: Ausgabe der Zertifizierungen

Die Jahrestagung ist durch die Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten als Fortbildungsveranstaltung gemäß § 95 d SGB V anerkannt und mit 12 Fortbildungspunkten (3/6/3) zertifiziert. Entsprechende Teilnahmebescheinigungen erhalten Sie am Ende der Tagung gegen Abgabe Ihres persönlichen Barcode-Aufklebers oder nach Eintrag in die Unterschriftlisten im Kongressbüro.